27. März 2010
Das Heidentheater konnte heute durch eine Zeitreise bei der Neueröffnung des Wikingermuseums dabeisein! Den ganzen Winter haben sie sich darauf gefreut, und nun war es soweit: Nach monatelanger Umbauzeit ist die Dauerausstellung des Museums jetzt völlig umgestaltet und trotz des langen Winters fertig geworden.
Nachdem die Hausherrin und viele Jarle feierliche Reden gehalten haben, können Ask und Embla ihrer Neugier freien Lauf lassen und drängen in die Ausstellungshallen. Und da – gleich zu Beginn ein großer Zeitreisenzauber, der Ask auf der Stelle seekrank werden lässt! (Wie einige wissen, ist er peinlicherweise nicht ganz seefest…) Aber erlebt es lieber selbst, wie dort das Meer in die Halle geholt wird.
Als nächstes freuen die beiden sich an einem Ochsenkarren, der von der Größe her wie geschaffen für Ask und Embla ist. Viele ihrer Reisen machen die beiden ja per Ochsenkarren, auch wenn die meisten Menschen aus der Zukunft ja immer nur an die flotten Boote der Wikinger denken. Dabei gibt es hier doch noch so viel anderes zu entdecken!

Bei den Exponaten in den nächsten Hallen suchen sie gleich nach neuen und auch nach vertrauten Funden. So findet Ask gleich den Hammer, den er in Zeiten wie seinen für eine gute Möglichkeit hält, um auch den kultisch ungebundenen Käufern schöne Amulette anbieten zu können: Der Thorshammer mit dem punzierten Christenkreuz.
Embla informiert sich gleich wieder über die aktuelle Fibelmode und den Trend bei Glasperlen, und beim Anblick der Kleeblattfibeln wird ihr Wunsch nach einer Bernsteinkette auf Platz zwei verschoben. Sie findet die Sachen so schön, mit denen würde sie sich glatt beerdigen lassen…

Zu den neu entdeckten Dingen gehören eine Münze mit einer Walknut, aber nicht die ihnen schon bekannte mit dem Hirsch, und ein silbernes Amulett in Form eines Sitzes. Beim Anblick von einem Osterei wissen sie kurz nicht mehr ganz genau, auf welcher Zeitreise sie sich eigentlich befinden. Und dann stehen sie vor dem großen Runenzauber!

Die Leute vom Museum haben einen Zauber, der Runensteine sprechen und Blitze verstummen und gehorsam sein lässt! Embla und Ask sind einfach hingerissen und genießen das Schauspiel, das die lautlose Blitze über dem Stein bilden. So einen Zauberstein hätten sie auch gern einmal, der ihre Taten so wunderbar den nach ihnen Kommenden verkündet!
Nun kommen sie in die Bootshalle. Der schöne Blick auf das Noor ist der alte, aber die Halle hat sich verändert. Auch dort findet sich Zauberei. Viele ihrer Bekannten bewegen sich hier als zweidimensionale Gestalt in eckigen Rahmen, einige standen schon in der vorigen Halle ganz platt in Glaskästen. Aber zeitgleich bewegen sich diese Bekannten unbeschadet neben ihnen durch die Hallen und wirken ganz normal. Es muss einer dieser Zeitreise-Zauber sein…

In dieser Halle gefällt es Ask und Embla sehr. Sie haben das Gefühl, als könnten sie auf einen Tauchgang unter Wasser gehen, während oben auf dem Anlegesteg reges Treiben herrscht. Warum sie sich fest vornehmen, bei ihrem nächsten Aufenthalt am Hafen sehr vorsichtig mit ihren Sachen zu sein, werdet Ihr verstehen, wenn Ihr auch dort in der Bootshalle gewesen seid!
Zufrieden mit ihren Erlebnissen machen sich die beiden wieder auf den Weg nach Hause, denn es wird schon dunkel. Sie nehmen sich aber vor, sobald wie möglich wiederzukommen. Heute war es mit all den wichtigen Neuzeit-Jarlen und all den anderen viel zu aufregend, um alles aufzunehmen. Sie haben sich eins der neumodischen Bücher, die sie auf ihren Zeitreisen schätzen gelernt haben, für daheim mitgenommen. Mal gucken, ob sie von den Menschen aus der Zukunft noch etwas über sich lernen können…
17. März 2010
Ask und Embla packen gerade den Ochsenkarren, denn sie wollen zu einer Feier mit Freunden fahren. Beim Packen gibt es spannende Gespräche über eine Begegnung während einer Zeitreise mit einem Mann aus der Zukunft, der sich als Sprachwissenschaftler bezeichnete.
Er erzählte den beiden, dass in seiner Zeit das bevorstehende Fest oft “Ostara-Fest” genannt werde, denn seinen Zeitgenossen sei die Göttin des Frühlings und der Morgenröte jetzt meist unter dem Namen “Ostara” bekannt. Die meisten Menschen seiner Zeit würden jedoch ein christliches Fest feiern, das hierzulande “Ostern” genannt werde.
Wer oder was ist Ostara?
Ostarafeste sind Feiern zu Ehren einer Frühlingsgöttin, die meist Ostara genannt wird. Über die Festtraditionen oder über die Göttin selbst ist durch die Geschichtsschreibung kaum etwas überliefert. Am Beispiel des Ostarafestes kann deutlich gemacht werden, wie schwierig manchmal die Rekonstruktion von alten, nur in Spuren überlebenden Traditionen ist.
Zeitpunkt für das christliche Osterfest ist der erste Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond, also der erste Vollmond nach der Tagundnachtgleiche. Durch viele uralte Zeugnisse vergangener Kulturen wissen wir um die Bedeutung, die diese astronomischen Beobachtungen schon vor tausenden von Jahren gehabt haben. Diese besonderen Zeitpunkte im Jahr werden immer schon von Feierlichkeiten begleitet worden sein. Da viele christliche Bräuche auf diese ältere Traditionen zurückgehen, wurde ganz einfach angenommen, dass hinter dem Termin für das christliche Osterfest eine Feier zu Ehren einer heidnischen Frühjahrs-Gottheit stehe.
Der Name des christlichen Auferstehungsfestes unterscheidet sich mit “Ostern” im Deutschen und mit “Easter” im Englischen von den Bezeichnungen in anderen Ländern Europas. Dazu ein Auszug aus Wikipedia: “Viele Sprachen bezeichnen das Osterfest mit einer Wortableitung vom aramäischen pas-cha, angelehnt an das hebräische Wort Pessach, unter anderem: Dänisch: påske, Finnisch: pääsiäinen, Französisch: Pâques, [...] Isländisch: páskar, Italienisch: Pasqua, Niederländisch: pasen, Portugiesisch: Páscoa, Rumänisch: pas,ti [...] Schwedisch: påsk, Spanisch: Pascua”. Es wird vermutet, dass die Bezeichnung “Ostern” mit dem Namen dieser alten Gottheit zusammenhängt. Es gab die Annahme, Jacob Grimm hätte den dazu passenden Namen “Ostara” für diese Frühjahrs-Gotthiet erfunden beziehungsweise aus dem althochdeutschen Monatsnamen “Ostarun” abgeleitet. Dieser sehr simplen Herleitung stellte sich soviel Kritik entgegen, dass es in der Folge dann hieß, eine Frühlingsgöttin namens Ostara hätte es nie gegeben, eine vorchristliche Tradition sei daher auch fragwürdig. In einem Artikel auf den Seiten des Eldarings erläutert Kurt Oertel, was von diesen Vermutungen und Herleitungen zu halten ist. Hier der Artikel, auf den wir uns im folgenden Absatz dankend beziehen.
Da das Ableiten von Götternamen auf Namen für Personen bekannt sei, stützten entsprechende altangelsächsische Namensteile die Existenz einer namensgebenden Gottheit, von der im beginnenden 8.Jahrhundert berichtet werde. Diese Göttin des Frühlings oder der Morgenröte kann folglich bei den Angelsachsen Britanniens den Namen Eostre gehabt haben. Austro wäre dann die altgermanische Form. Mit der Überlieferung des Namens “Matronis Austriahenis” auf Weihesteinen um 200 n.d.Z. sei außerdem eine namensähnliche Göttin im Matronenkult belegt, aber kein Namensbeweis für die gesuchte Frühlingsgöttin der Morgenröte erbracht. So kommt es, dass in unseren Regionen eine Göttin des Frühlings und der Mörgenröte unter verschiedenen Namen verehrt werden kann: Ostara, Austro, Eostra oder Eostre.
Um ein Ostarafest “richtig” zu feiern, kann es nicht wichtig sein, dass nur felsenfest sicher überlieferte Tradition befolgt wird. Traditionen haben immer Entwicklungen durchlaufen, ansonsten würden wir heute noch Jagdwild auf Höhlenwände malen oder seltsame Figuren in Felsen hineinritzen – alles andere wäre moderne Blasphemie. Also dürfen wir die Feiern Ostara zu Ehren nach eigenen Möglichkeiten und Begabungen gestalten. Das können wir unter Einbeziehung von buntgefärbten Eiern, Blumenschmuck, schweigend im Morgengrauen geschöpftem Osterwasser, Hefezöpfen, der Grünen Neune, gutem Essen und schönen Opfergaben, die eventuell in ein Feuer gegeben werden. Zur Frage, woher denn farbige Eier zu Ostern kommen und was es mit der Grünen Neune auf sich hat, gibt es hier einen Link zu einem Frühlings-Artikel von Ulrike auf den Eldaring-Seiten.

Embla und Ask schmunzeln immer noch, wenn sie an den gequälten Gesichtsausdruck des Sprachwissenschaftlers denken, der ihnen erzählte, dass viele seiner Zeitgenossen “Ostara” auf der zweiten Silbe betonen. Richtig wäre die Betonung auf der ersten Silbe, wie bei den Wörtern “Vatertag” oder “Hasenkult”. Schließlich würden auch die Christen das Wort “Ostern” gemäß der germanischen Stammsilbenbetonung korrekt auf der ersten Silbe betonen. Aber was er auch alles anhören müsse, wo doch so viel Wissen über diese Göttin der Sprachwissenschaft zu verdanken sei!
Ask und Embla trösten ihn: Eine Frühlingsgöttin kann uns auf unterschiedlichsten Wegen und in vielfacher Gestalt erscheinen, schließlich ist sie Göttin. Sie wird wissen, wie unsere Feiern gemeint sind, unabhängig von Brauchtum, Benennung oder Betonung…
8. März 2010
Ask und Embla waren unterwegs, sind aber wegen des Wetters nicht weit gekommen. Die Macht der Eisriesen ist noch nicht gebrochen.
Der Schnee, der den Frühling noch nicht freigeben will, wird in dieser Landschaft vom Wind unterstützt. Die Eisriesen schieben sich als verschlingende Schneewehen immer wieder über die Staßen, oft lange noch nach dem Schneefall. Das Thursen-Toben!

Ursprünglich waren die Steinsetzungen in Erdhügeln verborgen. In der benachbarten Landschaft kurz hinter der dänischen Grenze sind auch heute noch viele Grabhügel über dem flachen Land zu erkennen. Diese Steine hier stehen auf einer Kuppe mitten in hügeligem Gelände. Im Sommer blicken die Kühe von dort aus weit über das Land. Sie scheinen solche Erhebungen mit Aussicht zu mögen und schubbern sich an den großen Steinen, so dass diese auch jetzt im Winter an einigen Stellen blankpoliert aussehen.
Von der anderen Seite sieht es aus, als ob sich die Steine gegen den Wind anstemmmen. Wie weit scheint die warme Zeit mit den Kühen entfernt! Aber Steine haben im Gegensatz zu Ask und Embla Geduld…
